Prädiktoren für Therapieerfolg bei suchtkranken Straftätern im Maßregelvollzug
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Date
2017-07-04
Authors
Seibold, Verena Juliane
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Abstract
Die stetig steigende Anzahl an Unterbringungen in den Maßregelvollzug gemäß
§ 64 StGB (Strafgesetzbuch) führt zu ernsthaften Kapazitätsproblemen im
deutschen Maßregelvollzugssystem. Dazu kommt das Problem der hohen
Erledigungsquote wegen Aussichtslosigkeit nach § 67 d Absatz 5 StGB, die je
nach Quelle einen Anteil von 50 % oder mehr ausmacht, obwohl laut Gesetz eine
Unterbringung nur dann angeordnet darf, wenn durch einen Sachverständigen
eine konkrete Erfolgsaussicht für die Behandlung festgestellt wird. Bisherige
Studien zur Prädiktorensuche für den Therapieerfolg im Maßregelvollzug nach
§ 64 StGB legten ihren Fokus vor allem auf soziodemografische und
kriminologische Faktoren. Dabei ist es bisher noch nicht gelungen, ein
treffsicheres Vorhersagemodell zu entwickeln. Das Ziel dieser Arbeit war es daher,
die Untersuchungen explorativ auszuweiten und dadurch einen Beitrag zur Suche
nach Prädiktoren für den Behandlungserfolg im Maßregelvollzug zu leisten.
Zu diesem Zweck wurden 16 suchtkranke Patienten rekrutiert, die gemäß § 64
StGB in einer süddeutschen Einrichtung des Maßregelvollzugs untergebracht
waren. Es kamen zu Beginn der Erhebung Instrumente zur Beurteilung des
kriminellen bzw. gewalttätigen Risikos, zur Einschätzung der Schwere der
Abhängigkeit, zur Evaluation der therapeutischen Arbeitsbeziehung und zur
Beurteilung der lebenspraktischen Fähigkeiten der Patienten zum Einsatz.
Außerdem wurden Items der OPD-2 (Operationalisierte Psychodynamische
Diagnostik 2) bearbeitet sowie kriminalprognostisch relevante soziodemografische
Variablen erhoben. Sechs Patienten wurden nach § 67 d Absatz 2 bzw. 4 StGB
regulär entlassen und bildeten die Gruppe der „Durchhalter“, während bei zehn
Patienten die Therapie nach § 67 d Absatz 5 StGB vorzeitig abgebrochen wurde
(„Abbrecher“). Geprüft werden sollte, inwiefern man einen positiven
Behandlungsausgang anhand der erhobenen Daten vorhersagen kann. Dazu
wurden die Daten der beiden Outcome-Gruppen ausgewertet und einander
gegenüber gestellt.
Der Vergleich der Gruppen brachte bei den soziodemografischen Daten eine
abgeschlossene Berufsausbildung als signifikant positives sowie das Aufwachsen
in besonderen Familienformen (z.B. Heim) als signifikant negatives Kriterium für
den Therapieverlauf hervor.
Kein nennenswerter Unterschied hinsichtlich des Therapieerfolgs konnte durch die
Einschätzung des gewalttätigen bzw. kriminellen Risikos gefunden werden.
Ein tendenzieller Zusammenhang zwischen der Schwere der Abhängigkeit und
dem Ausgang der Therapie konnte im Rahmen der vorliegenden Untersuchung
gefunden werden. So konnten Patienten, bei denen eine geringere Schwere der
Abhängigkeit festgestellt wurde, die Therapie tendenziell häufiger erfolgreich
beenden.
Die Evaluation der therapeutischen Arbeitsbeziehung brachte keine
nennenswerten Unterschiede zwischen den beiden Outcome-Gruppen hervor. Die
Beurteilung der therapeutischen Beziehung scheint vielmehr als Faktor zur
Verlaufsbeobachtung und Therapieplanung geeignet zu sein als zur Vorhersage
des Therapieerfolgs.
Bei der Beurteilung der lebenspraktischen Fähigkeiten konnte zwar kein
signifikanter Zusammenhang zwischen dem Gesamtwert des BEST-Index
(Behavioural Status Index) und dem Therapieausgang gefunden werden, jedoch
zeigten die Skalen „Kommunikation und soziale Fertigkeiten“ sowie „Arbeits- und
Freizeitverhalten“ deutliche Tendenzen zur Unterscheidung zwischen den
Outcome-Gruppen. Dabei wurden in beiden Fällen die Fähigkeiten der Durchhalter
im Durchschnitt besser bewertet als die der Abbrecher.
Die Einschätzungen des Leidensdrucks, des sekundären Krankheitsgewinns, der
Darstellung der psychischen Probleme sowie des Wunsches nach einer
Psychotherapie brachten keinen Zusammenhang mit dem Outcome hervor.
Eine genauere Untersuchung lebenspraktischer Fertigkeiten in Bezug auf das
Outcome von Behandlungen nach § 64 StGB sowie die Untersuchung des
Einflusses der Abhängigkeitsschwere wären vielversprechende Zielgrößen für
zukünftige Studien.
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Medizinische Fakultät
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