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AuthorStaudacher, Kristindc.contributor.author
Date of accession2017-04-12T15:13:12Zdc.date.accessioned
Available in OPARU since2017-04-12T15:13:12Zdc.date.available
Year of creation2016dc.date.created
Date of first publication2017-04-12dc.date.issued
AbstractFür den Begriff der Lebensqualität gibt es bis heute keine anerkannte Definition. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Lebensqualität als „subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertesystemen, in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Wertmassstäbe und Anliegen“. In der Medizin wird sie als multidimensionales Konstrukt gesehen und anhand von Fragebögen gemessen. Dabei treten verschiedene Diskrepanzen auf, beispielsweise das Problem der Objektivierung von Lebensqualität, um sie quantifizierbar zu machen oder das der Fremdbeurteilung von Lebensqualität sowie das des Zufriedenheitsparadoxes, nachdem die Ergebnisse der Messung unerwartet oder nicht nachvollziehbar sind. Demnach bewegt sich der Begriff der Lebensqualität auf einem Grenzgebiet zwischen Naturwissenschaft, da er Messbarkeit implizieren soll und Philosophie, da er sich der Messbarkeit entzieht. Nachdem die naturwissenschaftliche Auffassung von Lebensqualität der Frage nach dem subjektiven Befinden des Patienten in seiner Lage nur unzureichend entgegen zu kommen schien, erschien es sinnvoll, Lebensqualität aus einer anderen, einer philosophischen Perspektive, der Perspektive des kranken Menschen, heraus zu betrachten. Hier stellte sich übergeordnet die Frage, was Lebensqualität für einen kranken Menschen ausmacht. Daraus ergaben sich untergeordnet die Fragen danach, was mit einem Menschen in Anbetracht einer fatalen Diagnose passiert (also was in diesem vor geht), was Kranksein für den kranken Menschen bedeutet, welche Rolle dabei der Hoffnung zukommt sowie die Frage nach der Annehmbarkeit und Bewältigung des Lebens unter diesen neuen Lebensumständen. Daraus wiederum ergab sich die Frage nach der Unvereinbarkeit von gemessener und subjektiv erlebter und empfundener Lebensqualität. Über die hermeneutische Auslegung von vier Autoren (Heinrich Schipperges; Homo patiens, Herbert Plügges Aufsatz „Über die Hoffnung“, Sören Kierkegaard; Entweder – Oder, Aristoteles; Nikomachische Ethik), die erstmals miteinander in ein Verhältnis gebracht werden konnten, wurde eine neue existenzphilosophische Sichtweise auf die Lebensqualität eines kranken Menschen erarbeitet. Daraus konnte ein mögliches Konzept der Annahme einer schweren Erkrankung schematisiert werden. Es ergab sich, dass das Annehmen einer schweren Erkrankung in drei Phasen dargestellt werden kann. In Phase I, dem Einbruch, ist der kranke Mensch mit der Diagnose konfrontiert, vor sich selbst gestellt und verzweifelt. In Phase II findet ein Prozess der Loslösung von bisherigen Bezügen statt. In Phase III kommt es zu Akzeptanz der gegebenen Umstände. Das Durchlaufen der Phasen soll ein individuell verlaufender Prozess sein. Außerdem konnte ein Versuch einer Begriffsbeschreibung von Lebensqualität aus philosophischer Sicht unternommen werden mit dem Ergebnis, dass Lebensqualität mit der aristotelischen Eudaimonia äquivalent zu sehen ist. Um dieses analytische Ergebnis zu bekräftigen, wurden Interviews mit einem an Amyotropher Lateralsklerose erkrankten Patienten und dessen Familie geführt. Mittels dieser Krankengeschichte konnte gezeigt werden, dass die erarbeitete philosophische Sichtweise auf die Lebensqualität durchaus empirische Entsprechungen aufweist, woraus induktiv geschlossen werden konnte, dass dies auch bei anderen Fällen dieser Art der Fall sein dürfte. Für den kranken Menschen steht die Lebbarkeit sowie die Lebensbewältigung im Kranksein, sprich die individuelle Lebenspraxis im Vordergrund. Krankheit als Modus der Lebenspraxis hält den kranken Menschen zur Selbstfindung an, aus welcher sich der existenzielle Lebenssinn ergibt, der es dem kranken Mensche erlaubt, sich auf sich selbst hin neu zu entwerfen. Daher ist Lebensqualität als eine höchst individuelle Größe zu charakterisieren, da sie maßgeblich an die Lebensentwürfe des Patienten und somit an seine Persönlichkeit und Selbsteinschätzung gekoppelt und somit weder messbar noch vergleichbar ist. In der Diskussion wird eingangs auf den Transzendenzbezug von Eudaimonia und Lebensqualität verwiesen, um dann unter Bezugnahme auf den Forschungsstand gegen ein quantitatives Konzept, sowie eine Reduzierung der Lebensqualität auf Kerndimensionen zu argumentiert. Lebensqualität sollte nicht reduktionistisch behandelt werden zugunsten eines Messzwanges, dem die naturwissenschaftlich orientierte Medizin zu unterliegen scheint. Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit solcher Messungen für die Medizin sollte hier nicht bestritten werden. Jedoch ergibt sich die Schlussfolgerung, dass nicht aus den Augen verloren werden darf, dass jedes dieser Messkontingente sich aus Individuen in ihrer Besonderheit und Betroffenheit zusammensetzt, den eigentlichen Subjekten der Medizin, die sich nach Zuwendung und Beistand sehnen. Über das Kultivieren einer sensibleren Arzt-Patient-Beziehung, mittels eines persönlichen unstrukturierten Gesprächs, das sich abhängig von beiden Gesprächspartnern entwickeln kann und nicht nur bloßer Diagnostik, könnte nicht nur der Arzt etwas über die Lebensqualität seines Patienten erfahren, sondern auch der Patient könnte seine Not mit der Bitte um Hilfe auf sein Gegenüber, den Arzt, transzendieren und diesen so wieder als Helfer in der Not wahrnehmen und in ein persönlicheres Verhältnis zu diesem eintreten. Der kranke Mensch in seiner Subjektivität sollte keinesfalls zugunsten einer Messgröße weiter in den Hintergrund rücken.dc.description.abstract
Languagededc.language.iso
PublisherUniversität Ulmdc.publisher
LicenseStandarddc.rights
Link to license texthttps://oparu.uni-ulm.de/xmlui/license_v3dc.rights.uri
KeywordKrankseindc.subject
Dewey Decimal GroupDDC 610 / Medicine & healthdc.subject.ddc
MeSHAmyotrophic lateral sclerosisdc.subject.mesh
MeSHQuality of lifedc.subject.mesh
MeSHAnthropologydc.subject.mesh
MeSHEthics, medicaldc.subject.mesh
MeSHPatients; Psychologydc.subject.mesh
TitleLebensqualität aus der Perspektive eines kranken Menschen: eine anthropologisch-ethische Betrachtung am Beispiel eines ALS-Patientendc.title
Resource typeDissertationdc.type
Date of acceptance2017-02-17dcterms.dateAccepted
RefereeFangerau, Heinerdc.contributor.referee
RefereeBreuninger, Renatedc.contributor.referee
DOIhttp://dx.doi.org/10.18725/OPARU-4296dc.identifier.doi
PPN1657832732dc.identifier.ppn
URNhttp://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:289-oparu-4335-4dc.identifier.urn
GNDLebensqualitätdc.subject.gnd
GNDKrankerdc.subject.gnd
GNDAnthropologiedc.subject.gnd
GNDMyatrophische Lateralsklerosedc.subject.gnd
GNDPhilosophiedc.subject.gnd
GNDEthikdc.subject.gnd
GNDMedizinische Ethikdc.subject.gnd
FacultyMedizinische Fakultätuulm.affiliationGeneral
InstitutionInstitut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizinuulm.affiliationSpecific
Shelfmark print versionW: W-H 15.091uulm.shelfmark
Grantor of degreeMedizinische Fakultätuulm.thesisGrantor
DCMI TypeTextuulm.typeDCMI
TypeErstveröffentlichunguulm.veroeffentlichung
CategoryPublikationenuulm.category
University Bibliographyjauulm.unibibliographie


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