Autonome Regulation bei Vorschulkindern innerhalb der Mutter-Kind-Dyade während eines Empathie-Paradigmas: geschlechtsspezifischer, transgenerationaler Einfluss früher Missbrauchs-, Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen der Mutter

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2026-01-20

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Daubner, Amélie

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Hintergrund: Verschiedene Studien in der Vergangenheit untersuchten bereits die Auswirkungen, welche durch frühkindliche Missbrauchs-, Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen der Mutter (Adverse childhood experience, kurz ACE) auf ihr Kind hervorgerufen werden können. In diesem Kontext wurde häufig über die daraus resultierenden psychischen und körperlichen Folgen der betroffenen Kinder berichtet. Erwachsene, darunter auch Mütter, die in Ihrer eigenen Kindheit Opfer von Missbrauchs-, Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen wurden, haben nachweislich ein erhöhtes Risiko, diesen Kreislauf der Misshandlung (transgenerational cycle of maltreatment) an ihre Kinder weiterzugeben. Mithilfe der Analyse verschiedener Biomarker des autonomen Nervensystems von Kindern im Vorschulalter möchte diese Studie dazu beitragen, weitere Einblicke in die Transgenerationalität negativer Kindheitserfahrungen der Mütter auf ihre Kinder zu gewinnen. Zusätzlich wird die Bedeutung des Geschlechts der Kinder als weiterer möglicher Einflussfaktor in der transgenerationalen Übertragung negativer Kindheitserfahrungen näher analysiert. Methoden: Der Messzeitpunkt t4 der Langzeitstudie „Meine Kindheit – deine Kindheit“ untersuchte mithilfe eines experimentell durchgeführten Empathie-Paradigmas, die autonomen Anpassungsreaktionen von Vorschulkindern im Alter zwischen vier und sieben Jahren (n=96, durchschnittliches Alter 68,5 Monate ± 6,0). Dazu wurden mithilfe der Elektrokardiographie (EKG) und der Impedanzkardiographie (IKG) die psychovegetativen Parameter Herzfrequenz (HF), respiratorische Sinusarrhythmie (RSA), Präejektionsperiode (PEP) und linksventrikuläre Ejektionszeit (LVET) von Mutter und Kinder innerhalb der sieben Episoden des Versuchsaufbaus erhoben. Die einzelnen Kindergruppen konnten anhand der Kurzform des Childhood Trauma Questionnaires (CTQ-SF) in zwei Kategorien eingeordnet werden: eine Gruppe ACE-belasteter und eine Gruppe ACE-unbelasteter Kinder. Anschließend wurden diese Gruppen zusätzlich nach dem Geschlecht unterteilt. Um signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen identifizieren zu können, wurden die Ergebnisse mithilfe von Varianzanalysen mit Messwiederholung und t-Tests ausgewertet. Durch einen zu Beginn der Studie zugeordneten Identifikationscode, konnte die Anonymität der einzelnen Probandinnen sichergestellt werden. Ergebnisse: Die Ergebnisse der Studie deuten an, dass frühkindliche Missbrauchs-, Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen der Mutter keinen signifikanten transgenerationalen Einfluss auf die autonome Regulation von Vorschulkindern im Alter zwischen vier und sieben Jahren haben. Geschlechtsspezifische Reaktionen während des Empathie-Paradigmas konnten ausschließlich in der Kindergruppe ohne ACE-Belastung festgestellt werden. Im Geschlechtervergleich zeigten die Mädchen dieser Gruppe eine signifikant höher HF, währenddessen die Jungen eine signifikant höhere PEP aufwiesen. Außerdem konnte die Untersuchung signifikante autonome Veränderungen der Vorschulkinder auf den verwendeten Empathie-assoziierten Stimulus der „Baby-Puppe“ feststellen. Diese empathischen Reaktionen der Kinder ließen sich am Übergang von Episode vier zu fünf, mithilfe einer Abnahme der HF und dem Anstieg von sowohl RSA als auch LVET nachweisen. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse dieser Arbeit bestätigten, dass das angewandte Empathie-Paradigma einen wirksamen Stimulus darstellt, durch den Empathie im Vorschulalter objektiv anhand psychovegetativer Parameter quantifizierbar gemacht werden kann. Die vorliegende Untersuchung deutet darauf hin, dass mütterliche Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen (ACEs) keinen transgenerationalen Effekt auf die autonome Regulation von Vorschulkindern im Rahmen eines Empathie-Paradigmas haben. Die Variable Geschlecht der Kinder scheint jedoch, insbesondere in Abwesenheit von mütterlicher ACE-Belastung, einen modulierenden Effekt auf die autonomen Reaktionen der Kinder zu haben. Jungen der ACE-unbelasteten Gruppe zeigten im Vergleich zu den Mädchen dieser Gruppe eine stärkere parasympathische Aktivierung durch den empathischen Stimulus und reagierten damit auf physiologischer Ebene empathischer. Möglicherweise sind die Kinder ACE-belasteter Mütter, insbesondere die Mädchen, in ihrer autonomen Reaktion beeinträchtigt und können daher verglichen zu den Kindern ACE- unbelasteter Mütter keine natürliche geschlechtertypische Anpassung im Empathie- Paradigma zeigen. Dennoch erweitert die Studie unser bisheriges Verständnis bezüglich der autonomen Reaktivität von Kindern auf empathische Stimuli und unterstreicht die Notwendigkeit verschiedene Einflussfaktoren wie die Komplexität der transgenerationalen Traumata-Übertragung und das Geschlecht noch genauer zu analysieren.

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