Der prähospitale Herz-Kreislauf-Stillstand - Einfluss des Geschlechts auf die Versorgungsqualität und die Überlebenswahrscheinlichkeit : eine Analyse aus dem Deutschen Reanimationsregister

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2024-01-22

Authors

Preisner, Achim

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Abstract

Herz-Kreislauferkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Dabei stellt der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand ein Krankheitsbild mit hoher Mortalität und besonders zeitkritischer Behandlungsnotwendigkeit dar. Etwa 100.000 Patientinnen und Patienten erleiden pro Jahr in Deutschland prähospital einen Kreislaufstillstand, 50.000 von ihnen werden durch Notarzt- und Rettungsdienst versucht zu reanimieren. Die vorgelegte Arbeit untersuchte anhand des Deutschen Reanimationsregisters, ob Frauen und Männer unterschiedlich häufig einen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand erleiden und ob sich Unterschiede hinsichtlich der Behandlungsqualität im Notarztdienst oder Krankenhaus nachweisen lassen. Es wurden Daten von 43.905 Patientinnen und Patienten der Jahre 2007 bis 2019 aus dem Deutschen Reanimationsregister analysiert. Die Daten wurden zunächst deskriptiv dargestellt. In den weiteren Schritten der Analyse folgte zunächst eine Risikoadjustierung durch ein „matched pairs Verfahren“ und anschließend durch eine binär logistische multivariate Regressionsanalyse. Im dritten Schritt wurde die Behandlungsqualität im Krankenhaus nach primär erfolgreicher Reanimation anhand des CaRdiac Arrest Survival Score (CRASS) bewertet. Von insgesamt 43.905 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten erlitten 15.332 Frauen und 28.573 Männer einen Herz-Kreislaufstillstand und wurden reanimiert. Somit sind mit 65,1% vs. 34,9% mehr Männer als Frauen betroffen. Frauen und Männer zeigen einen vergleichbaren frühen Reanimationserfolg und erhalten eine vergleichbare Behandlungsqualität im Notarzt-/Rettungsdienst. Betrachtet man die Behandlung über die Erstversorgung des Rettungsdienstes hinaus, so zeigt sich, dass Männer eine höhere 30 Tage Überlebens-/Entlassungsrate und CPC 1/2-Rate (Cerebral performance category) aufweisen. Nach der Risikoadjustierung im Rahmen der matched pairs – Analyse zeigen Männer eine geringere ROSC-Rate (Return of spontaneous circulation) bis zur Krankenhausaufnahme und eine geringeres 24-h-Überleben. Die notärztliche Behandlungsqualität bei Männern und Frauen ist jedoch vergleichbar. In der adjustierten Entlassungsrate und der neurologischen Erholung unterscheiden sich Frauen und Männer nicht. In der Risikoadjustierung mit der multivariaten binären logistische Regressionsanalyse zeigt sich für das männliche Geschlecht ein negativer Effekt der Kurzzeitüberlebensraten und ROSC bei Krankenhausaufnahme. Betrachtet man das Langzeitüberleben anhand der Entlassungsrate und der neurologischen Erholung, so hat das Geschlecht keinen Einfluss auf das Überleben. Bei der Untersuchung der Qualität der Krankenhausbehandlung nach einer Reanimation mittels des CaRdiac Arrest Survival Scores zeigt sich, dass die Überlebensrate mit guter neurologischer Erholung für Frauen niedriger ist als für Männer. Da aber für beide Geschlechter, die vorhergesagte Überlebensrate im Konfidenzintervall der tatsächlichen CPC 1/2-Rate liegt, ist die geringere Überlebensrate für Frauen im Krankenhaus durch das erhöhte medizinische Risiko begründet. Die vorgelegte Untersuchung zeigt, dass keine Benachteiligung der Frauen bei der Behandlung des plötzlichen Kreislaufstillstandes im Notarzt-, Rettungsdienst und im Krankenhaus nachgewiesen werden kann. Vielmehr muss konstatiert werden, dass Männer häufiger einen plötzlichen Kreislaufstillstand erleiden und reanimiert werden müssen. Für beide Geschlechter zeigt sich jedoch allgemein ein geringer Reanimationserfolg. Eine zunehmende Aufklärungsarbeit zur Erkennung der Alarmzeichen ist erforderlich, da gerade diese Alarmzeichen und Symptome des akuten Herzinfarktes sich bei Frauen und Männer beträchtlich unterscheiden. Teilweise findet bereits Aufklärungsarbeit statt, so zum Beispiel auf herzbewegt.org. Hier wird für Laien sehr verständlich gezeigt, wie man einen Herzinfarkt erkennt, welche Faktoren diese Erkrankung beeinflussen und auf welche körperlichen Zeichen zu achten ist. In Zeiten der Diskussion um die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts mit den unterschiedlichsten Diversitäts- Ausprägungen und dem Ziel der Gleichstellung der Geschlechter scheinen weitere Studien bezüglich einer Gleichbehandlung in der Medizin sinnvoll.

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